Gute Laune trotz klirrender Kälte und Schnee auf See

Viertklässler trotzen dem Wintereinbruch mit viel Spaß auf See

Laboe (uwr). Auch in diesem Jahr gingen wieder 28 Viertklässler der Laboer Grundschule mit dem Traditionssegler „De Albertha“ in der letzten Aprilwoche auf Fahrt. Die erste Gruppe startete am Sonntag, 24. April bei sonnigem, aber kaltem Wetter. Durch die Streichung der öffentlichen Zuschüsse des Ministerium für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes  Schleswig-Holstein sah es gar nicht gut aus, dass Segelabenteuer auch im sechzehnten
Jahr kostenlos durch den Verein „Ole Schippn“ anbieten zu können. „Wir haben private Investoren
gesucht“, erzählt Friedhelm Reker, 2. Vorsitzender OSL.

Der Verein, die Betreuer vom OSL der Kindertörns, Eltern und viele private Förderer machten die Finanzierung möglich. Der diesjährige Törn wurde vor allem durch hohe Spenden der VR Bank und des Rotary-Clubs ermöglicht. Stellvertretend übergaben am Sonntag Lars Nissen, Vorstand der VR Bank Ostholstein Nord - Plön eG, und Holger Muhs, Präsident des Rotary-Clubs zwei Schecks an die Kinder. Auf dem Traditionssegler können die Kinder fern von Smartphone,
Fernseher und Computer viele neue Kompetenzen erwerben, zum Beispiel gemeinsam die Segel setzen oder beim An- bzw. Ablegen helfen.

An Bord gelten strengere Regeln als zu Hause. Es darf nicht gerannt oder gesprungen werden und auf Deck ist die Schwimmweste Pflicht. Auch die Pfeife an der Schwimmweste dürfe nicht benutzt
werden, nur wenn jemand über Bord ins Wasser gefallen ist. Gruppenarbeit stehe in den drei Tagen im Vordergrund, erzählt Friedhelm Reker und fügt hinzu, dass der Teamgeist groß geschrieben wird. Streitereien müssen geklärt werden und die Kinder sorgen schnell für einander, zum Beispiel wenn sich jemand weh getan hat oder unter Heimweh leidet.

Spendenübergabe der VR Bank und des Rotary-Clubs an "Ole Schippn Laboe" e.V.
Spendenübergabe der VR Bank und des Rotary-Clubs an "Ole Schippn Laboe" e.V.

In den kleinen Kajüten schlafen sie zu viert und in der gemütlichen, aber auch engen Messe wird gegessen und gespielt. „Wir wollen der Jugend zusätzlich die traditionelle Seefahrt näherbringen“, erklärt Friedhelm Reker. Im Verein können sie später auch einen Segelschein erwerben. Trotz der strengen Regeln schwärmen die Nachwuchssegler noch nach Jahren von ihrer Tour mit der Albertha. Die 13jährige Smilla würde sofort wieder mitfahren und erzählt mit leuchtenden Augen von dem Grillen an Land am offenen Feuer oder wie sie in der Hängematte des Seglers über dem Wasser eingeschlafen war. Dieses Jahr muss sie an Land bleiben, fiebert aber mit ihrer neunjährigen Schwester Lahja mit, die das erste Mal auf See schlafen wird. Ihre Freundinnen Mijinta und Emely haben schon Segelerfahrung und freuen sich aufs Helfen. Rolf Rathje, Urgestein von Ole Schippn, nimmt seit dem ersten Mal der Kindertörns Urlaub und hat bisher alle Fahrten begleitet.

Mit rauhem, aber herzlichen Ton gibt er klare Anweisungen. Erst kommt das Gepäck an Bord. Natürlich werden die Schwere und Größe der Taschen zur Freude der Familien kommentiert. Ob in den engen Kajüten trotz Gepäck noch Platz zum Schlafen bleibt? Warm angezogen betreten zaghaft die Mädchen und Jungen das Schiff. Erst das Gepäck in die Kajüte, dann auf Deck die Schwimmweste anziehen. Alle hören genau zu, wie sie richtig angelegt wird. Rolf Rathje ermahnt die Kinder eindringlich: „Wer ohne Schwimmweste erwischt wird, muss bei Einlaufen des Schiffes im Hafen mit der Zahnbürste das Deck schrubben.“

Hannes Hahn vom Shanty-Chor verabschiedete die Kinder mit dem Lied "Lieber kleiner Steuermann“. Die Eltern winkten ihren Kindern zu, wohl wissend, dass „das Wetter den Kurs bestimmt“ und sie erst bei der Rückkehr erfahren, wo ihre Kinder die Landgänge hatten.
Während am Dienstag die Eltern auf ihre Kinder warteten, sahen auch die kleinen Geschwister sehnsüchtig dem Segelschiff entgegen. Ein Mädchen sagt mit fester Stimme: „Mama, ich will auch mitfahren, wenn ich in der vierten Klasse bin!“ Warm angezogen und mit dem Lied „Alle die mit uns auf Kaperfahrt waren..“ auf den Lippen der jungen begeisterten Crew lief der Traditionssegler im Laboer Hafen ein.

Ach ja – das Deck musste beim Einlaufen niemand mit der Zahnbürste putzen.